Geschichte des Line Dance

Zur Entstehungsgeschichte des Line Dance gibt es sehr unterschiedliche Theorien, von denen aber keine absolut gesichert ist. Wir möchten euch deshalb an dieser Stelle die beiden Versionen mit der größten Verbreitung kurz vorstellen.


Eine landläufige Theorie besagt, dass im 19. Jahrhundert die vielen europäischen Emigranten, die damals nach Nordamerika auswanderten um dort ihr Glück zu finden, natürlich ihre Kultur und somit auch ihre Folkloretänze mit in die neue Heimat nahmen. Die Siedler, aber auch die Viehtreiber (Cowboys) übernahmen dann Teile aus den traditionellen Tänzen der Einwanderer wie z.B. aus den irischen und schottischen Clantänzen, dem französischen Contra-Tanz, dem Rheinländer, der Polka und dem Walzer, passten sie ihrer Musik und ihrem Stil an und vermischten sie, bis sich daraus nach und nach eine neue Tanzrichtung „Line Dance“ entwickelte.

Andere Stimmen wiederum sprechen davon, dass es für die oben genannte Theorie keinerlei Beweise gibt. Zwar stimmen sie zu, dass die von den europäischen Einwanderer mitgebrachten Tänze später auch in Nordamerika zu finden waren (z.B. Polka, Rheinländer oder Walzer), betonen aber, dass sich daraus nicht der Line Dance entwickelte. Sie bevorzugen eine andere Version, die zumindest zum Teil belegbar ist.

Nach ihrer Meinung hat der Line Dance seinen Ursprung in den amerikanischen Diskotheken der 1950er und 1960er Jahre. Dort wurden Jazz, Swing und Rock ’n' Roll Ausdruck eines neuen Lebensgefühls und man ging vielfach dazu über, einzeln aber doch innerhalb einer Gruppe in Reihen zu tanzen, allerdings nicht zu Countrymusic, sondern vielmehr zu den o.g. Musikrichtungen. Seit 1952 verbreitete u.a. auch die amerikanische TV-Sendung „American Bandstand“ wöchentlich die neuesten Tänze unter der Bezeichnung „Line Dance“. In den nächsten Jahrzehnten wurde diese Art des Tanzens in den USA immer beliebter, hauptsächlich auch in den sogenannten „Discotheken“. So wurde z.B. einer der ältesten, uns bekannten Line Dances, der „Electric Slide“, zum POP-Song „Electric Boogie“ von Marcia Griffiths für die Eröffnung der New Yorker Diskothek „Vamp“ im Jahre 1976 choreographiert, nicht zu Countrymusik und nicht für eine Country Bar oder einen Western Saloon! Erst der Film „Urban Cowboy“ von 1980 (mit John Travolta in der Hauptrolle) brachte den Line Dance und die Countrymusic zusammen. Dies nutzten geschäftstüchtige Manager der Country-Szene aus. Mit Westernkleidung und Line Dance zu Countrymusic schufen sie einen neuen Trend, um ihre Musik auch einem jüngeren Publikum verkaufen zu können. Dieser Trend ebbte mit der Zeit wieder etwas ab, begann aber im Jahr 1992 erneut, als für den weltweiten „Country-Pop“-Hit „Achy Breaky Heart“ von Billy Ray Cyrus ein Line Dance choreographiert wurde. Line Dance zu Countrymusik ist also somit keine Tradition im eigentlichen Sinne, sondern vielmehr geschicktes Marketing aus den 1980er Jahren, um Countrymusik durch den schon aus Disco-Swing-Zeiten populären „Line Dance“ aufzupeppen.


Wer sich ausführlicher über die Geschichte des "Line Dance" informieren möchte, findet u.a. in diesem Artikel (PDF) eine wirklich sehr umfangreiche Darstellung zu diesem Thema. Angefangen von der Definition des Begriffes "Linedance", über die Ursprünge und Entstehung dieser Tanzform bis hin zur Entwicklung dieses Tanzes auch als Freizeit- und Turniersport.